12.05.2017

Politische Diskussion mit mehr Emotion

Konferenz zur politischen Bildung in Hannover

Stand der KEB auf der „Straße der Möglichkeiten“ Foto: Klaus Pohl

Am 04.05.2017 fand in der Ada-und-Theodor-Lessing-Volkshochschule Hannover die Konferenz „Politische Bildung ist Zukunft!“ statt. Ein Programmpunkt der von der Agentur für Erwachsenen- und Weiterbildung organisierten Konferenz war die „Straße der Möglichkeiten“, auf der Bildungseinrichtungen über ihre Arbeit  informierten. Auch die Katholische Erwachsenenbildung war mit einem Informationsstand vertreten. Neben aktuellen Veranstaltungsinformationen wurden Materialien zur Arbeit der KEB im Themenfeld politische Bildung angeboten, sowie allgemeine Informationen zu Veranstaltungen und Organisation der KEB. Darüber hinaus wurden die päpstliche Enzyklika Laudato Si, sowie das Apostolische Schreiben Evangelii Gaudium ausgelegt. Der Stand stieß bei den Besucher/-innen auf reges Interesse. Viele Konferenzteilnehmerinnen kamen, um sich mit Infomaterialien zu versorgen, über politische- und Erwachsenenbildung zu diskutieren – und natürlich, um sich mit dem Papst-Franziskus-Aufsteller fotografieren zu lassen, den die Landesgeschäftsstelle am Stand aufgebaut hatte.
Der Papst-Aufsteller wurde auch vom Vorsitzenden des Niedersächsischen Bundes für frei Erwachsenenbildung, Prof. Dr. Gerhard Wegner erwähnt. Dieser bemerkte in seiner Begrüßungsrede scherzhaft, er freue sich über den „hohen Besuch“ des Papstes. Die Begrüßungsworte von Professor Wegner, Rita Maria Rzyski (Dezernentin für Bildung, Jugend und Familie der Landeshauptstadt Hannover) und Kurt B. Neubert (Referatsleiter, Niedersächsisches Ministerium für Wissenschaft und Kultur) leiteten auch den zweiten programmatischen Abschnitt der Konferenz ein, in dem nach einem einführenden Vortrag eine Gesprächsrunde zur Zukunft der politischen Bildung abgehalten wurde. Professorin Dr. María do Mar Castro Varela von der Alice Salomon Hochschule Berlin kritisierte in Ihrem Vortrag „Die Zukunft der politischen Bildung in der Erwachsenenbildung“, dass das Kontroversitätsgebot (siehe Fußnote) des Beutelsbacher Konsens in der politischen Bildung nicht (mehr) gelte und tatsächlich kontroverse Themen nicht als solche dargestellt würden. Auch kritisierte die Politikwissenschaftlerin, dass teilweise unrealistische Erwartungshaltungen bezüglich der politischen Neutralität der Referent/-innen vorherrschten. Sie schlug vor, die affektive, emotionale Seite politischer Themen stärker ins Blickfeld zu rücken, anstatt Bildungsformate rein an einem enggeführten Begriff von Rationalität auszurichten und Methoden nicht deswegen ad acta zu legen, weil sie „verstaubt“ scheinen. So brach die Professorin etwa eine Lanze für den in Verruf geratenen Frontalunterricht und stellte klar, dass es durchaus geboten sei, Zuhörer/-innen intellektuell zu fordern.
An der dem Vortrag folgenden Podiumsdiskussion beteiligten sich neben Prof. Dr. María do Mar Castro Varela und Prof. Dr. Gerhard Wegner auch Kurt B. Neubert und  Ulrika Engler, die Direktorin der Niedersächsischen Landeszentrale für politische Bildung. Das Niedersächsische Kultusministerium wurde auf dem Podium durch Claudia Schanz vertreten, für das Niedersächsische Ministerium für Soziales, Gesundheit und Gleichstellung diskutierte Dr. Hans-Joachim Heuer mit.
Nach einer Mittagspause wurden Dialogforen zu den Themen „Das digitale Ich als Herausforderung in der Erwachsenenbildung“,  „Eine politische Kartografie – wie erreichen wir welche Zielgruppen?“ und „Zukunftsfähige Methoden und Formate“ eröffnet. Die zentralen Ergebnisse der Foren wurden zum Abschluss der Konferenz dem „Gesamtplenum“ der Teilnehmer/-innen vorgestellt. Konsens war, dass politische Bildungsformate stärker als zuvor die „affektive Seite“ von Themen beachten und partizipativ und dialogisch ausgerichtet werden müssten.
Die Einzelgespräche am Informationsstand der KEB und die Vorträge und Diskussionen auf der Konferenz zeigten, dass eine kritische Diskussion über Politik und die ihr zugrunde liegenden Werte unerlässliche Bestandteile politischer Bildung sind. Dies gilt nicht nur in Zeiten populistischer Wahlerfolge. Es gilt generell, da, um es mit den auf der Konferenz mehrmals zitierten Worten von Oskar Negt zu sagen „Demokratie die einzige Staatsform ist, die gelernt werden muss“. Mit ihrem vielschichtigen, werteorientierten Bildungsangebot  wird die Katholische Erwachsenenbildung im Lande Niedersachsen weiterhin zum Gelingen dieses Lernprozesses beitragen. 

Der Beutelsbacher Konsens gilt als Grundlage der politischen Bildung in der Bundesrepublik Deutschland. Er beinhaltet Leitgedanken, an denen sich die politische Bildung orientieren soll. Weitere Informationen zum Beutelsbacher Konsens finden Sie hier:
http://www.bpb.de/die-bpb/51310/beutelsbacher-konsens 
Dominik Hammer





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