Integration braucht Verlässlichkeit Das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) stoppt freiwillige Zulassungen zu Integrationskursen.
„Das trifft mitten ins Herz“, meint unsere Vorständin Kerstin Birnstein:
„In unseren Kursen erleben wir täglich, was es bedeutet, wenn jemand die ersten Sätze auf Deutsch spricht. Es ist mehr als Grammatik. Es ist Selbstständigkeit und Würde. Es ist der erste Schritt in Richtung Beruf, Nachbarschaft und Elternabend. Wenn ausgerechnet diejenigen keinen Platz bekommen, die freiwillig teilnehmen möchten, entsteht ein irritierendes Bild: Verpflichtung öffnet Türen – Eigeninitiative nicht.
Das passt nicht zu einem Land, das Integration einfordert. Was politisch als Haushaltssteuerung erscheint, bedeutet in der Praxis abgesagte Kurse, verunsicherte Lehrkräfte und Träger, die kaum noch seriös planen können. Strukturen, die über Jahre gewachsen sind, geraten ins Wanken.
Erwachsenenbildung funktioniert nicht im Stop-and-Go-Modus. Wer qualifizierte Lehrkräfte halten will, braucht Verlässlichkeit. Wer Integration ernst meint, darf die Infrastruktur nicht auf Verschleiß fahren.
Ohne Sprache kein Arbeitsplatz. Ohne Arbeitsplatz keine nachhaltige Integration. Die Verzögerung kostet – sozial, wirtschaftlich und gesellschaftlich.
Und sie trifft Familien besonders hart. Wenn Eltern keinen Zugang zu Sprachkursen haben, verschieben sich Rollen. Heute müssen oft Kinder bei Behörden, in Arztpraxen und in Schulen dolmetschen. Das ist kein Integrationsmodell, sondern eine Notlösung.
Integration ist kein Nebenprojekt. Wir diskutieren viel über Fachkräftemangel, gesellschaftlichen Zusammenhalt und demokratische Stabilität. Sprache ist die Grundlage für all das. Wer hier spart, spart am falschen Ende.
Es geht nicht um Symbolpolitik. Es geht um eine klare Entscheidung: Wollen wir Integration gestalten oder verwalten?
Als Katholische Erwachsenenbildung Niedersachsen stehen wir bereit. Die Räume, die Lehrkräfte und die Erfahrung sind da. Was fehlt, ist die politische Entschlossenheit, den Zugang offen zu halten.
Integration beginnt nicht mit einer Verpflichtung. Sie beginnt mit einer Chance.“
